Center for the Study of Language and Society (CSLS)

Lectures und Workshops
Center for the Study of Language and Society

Schweizerdeutsche Morphosyntax im Kontakt mit Dialekt und Standard

Dienstag, 20.11.2018, 18:15 Uhr


Das Forum Language and Society ist eine Reihe von Gastvorträgen zu Themen der Soziolinguistik. Doktorierende der GSH können sich die Teilnahme als Zuhörende mit 0,25 ECTS pro Vortrag anrechnen lassen.

Veranstaltende: Forum Language and Society
Redner, Rednerin: Prof. Dr. Elvira Glaser, Universität Zürich
Datum: 20.11.2018
Uhrzeit: 18:15 - 19:45 Uhr
Ort: F-121
Unitobler
Lerchenweg 36
3012 Bern
Merkmale: Öffentlich
kostenlos

Die Ergebnisse verschiedener Projekte aus den letzten 20 Jahren haben gezeigt, dass es auch in der Morphosyntax eine signifikante sprachgeographische Verteilung der Varianten gibt. Bezogen auf die schweizerdeutschen Dialekte ist festzustellen, dass die Morphosyntax grundsätzlich ähnliche sprachgeographische Muster aufweist, wie wir sie aus den anderen sprachlichen Ebenen kennen (Nord-Süd-, aber auch West-Ost-Gliederung sowie weitere kleinräumige Distributionen). Die Variation scheint jedoch insgesamt grossräumiger gestaltet zu sein, und es lassen sich zahlreiche Fälle feststellen, in denen neben relativ homogenen Räumen Variationsräume mit mehreren Varianten bestehen.

Nach einer kurzen Darlegung der Ergebnisse des Zürcher Projekts „Dialektsyntax des Schweizerdeutschen“ im Hinblick auf die genannten sprachgeographischen Verhältnisse wird dann die Frage diskutiert, inwiefern die erkennbaren Variationsräume Ausdruck von Sprachwandel sind, der sich im Kontakt der verschiedenen Dialekte untereinander oder mit der Standardsprache ergeben hat. Es werden Beispiele behandelt, die die enorme Stabilität der Verbreitung mancher Varianten zeigen, ebenso wie andere Fälle, in denen eine Ausbreitung von Varianten in den letzten ca. hundert Jahren nachweisbar ist, und es werden Beispiele für den wahrscheinlichen Einfluss der Standardsprache diskutiert. Anhand einiger Phänomene wird auch die Frage eines älteren Sprachkontakts mit den romanischen Nachbarvarietäten angeschnitten. Abschliessend werden Möglichkeiten diskutiert, das unterschiedliche Verhalten verschiedener morphosyntaktischer Varianten zu erklären, wozu auch auf Ergebnisse der allgemeinen Sprachkontaktforschung Bezug genommen wird.