BeLing

BeLing - Forschungskolloquium Berner Linguistik

Das Forschungskolloquium bietet allen Studierenden, Forschenden und Interessierten die Möglichkeit, sich über linguistische Themen, eigene Forschungsarbeiten und aktuelle Projekte auszutauschen.

BeLing steht allen Forschenden in der Linguistik in allen Sprachabteilungen offen, von fortgeschrittenen Master-Strudierenden bis hin zu Professor*innen. Wenn Sie daran interessiert sind, Ihre Forschung zu präsentieren, senden Sie bitte bis Donnerstag, den 9. Mai, eine E-Mail mit Ihrem Titel an danielle.tod@unibe.ch (kein Abstract erforderlich). Präsentationen in anderen Sprachen als Englisch sind willkommen!

Infos zum nächsten Event:

Datum: 28. Mai 2024

Uhrzeit: 09:00 - 17:00

Ort: B-102, UniS

 

Keynote: Who are ‘you-and-me’? The inclusive person form in Trans-Himalayan and beyond

given by: Linda Konnerth

Etwa 40 % der Sprachen der Welt weisen in ihren Paradigmen der Personenbezeichnungen eine Inklusivform auf. Die Inklusivform ist eine spezielle Form, die sich auf den Sprecher, den Adressaten und möglicherweise weitere Personen bezieht, und stellt als solche eine Untergruppe der Pluralformen der ersten Person dar, wie z. B. das englische „we“ (die andere Untergruppe ist die „Exklusivform“, d. h. sie bezieht sich auf den Sprecher und weitere Personen, schließt aber den Adressaten aus). Der Inklusiv ist in den Sprachen Eurasiens nicht vorhanden, aber in Amerika und Südostasien fest verankert. Aus soziopragmatischer Sicht ist das Inklusiv eine faszinierende Kategorie. In den Sprachen, in denen sie vorkommt, kann sie typischerweise verwendet werden, um sich entweder auf den Sprecher oder den Adressaten, auf beide oder auf keinen von beiden zu beziehen, wenn es darum geht, soziale Gruppen zu bilden, Höflichkeit auszudrücken, Verantwortung auszuhandeln oder Empathie zu suchen. Das Inklusiv bündelt die Sprechaktteilnehmer und schlägt auch die Brücke zu dritten Personen. Bei der Untersuchung von Inklusivformen im südzentralen Zweig der Trans-Himalaya-Sprachfamilie zeigt sich, dass diese funktionale Vielseitigkeit einen diachronen Fußabdruck in diesen Sprachen hinterlassen hat, da sich die Personenformen in verschiedenen Sprachen verschoben haben, indem sie das Inklusiv offensichtlich als Einfallstor für Veränderungen nutzten. Dieser Vortrag kombiniert Erkenntnisse aus Korpusstudien und historischen Untersuchungen, um das Bild einer dynamischen und soziopragmatisch vielseitigen Personenkategorie zu zeichnen.