Wann & Wo
Wann: 11. Juni 2026, 9:15-10:30
Wo: Hauptgebäude, Raum 120
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Abstract
Dieser Vortrag befasst sich mit der allgemeinen Frage, wie und wann junge Sprachbenutzer:innen lernen, sozial bedeutsame Sprachvariation im Kontext zu erkennen und zu bewerten. Unter besonderer Berücksichtigung der vielfältigen indexikalischen Werte, die mit dem Gebrauch des Englischen in Flandern verbunden sind, stellen wir drei miteinander verbundene Fallstudien vor, die den Erwerb von Einstellungen gegenüber dieser lexikalischen Variation bei flämischen Grundschulkindern untersuchen.
Die drei Fallstudien basieren auf kontextualisierten Matched-Guise-Experimenten. Die erste Studie untersucht die Bewertung von zwei Versionen eines Superhelden durch über 170 belgisch-niederländische Kinder: Sterrenman verwendet ausschließlich niederländische Wörter, Starman hingegen regelmäßig englische Lehnwörter. Nach der Bewertung der beiden Figuren nahmen die Kinder an einer Reihe von Nachtests teil, die das Sprachbewusstsein und das rezeptive Wissen über die im Skript verwendeten Wörter maßen. Die Ergebnisse zeigen ein zunehmendes Bewusstsein für (die soziale Bedeutung von) englischen Wörtern im Niederländischen sowie ein allmählich abnehmendes Ansehen der rein niederländischen Figur.
Die zweite und dritte Studie bauen auf der ersten auf, indem sie die Kontextualisierung der Sprachformen variieren. Fallstudie 2 (N = 1211) konzentriert sich auf Produktwerbung, in der häufig Englisch verwendet wird, in der Hoffnung, die Wahrnehmung des beworbenen Produkts positiv zu beeinflussen (Hornikx & van Meurs 2020; Roberts et al. 2020). Das dritte und letzte Experiment (N = 492) zielt hingegen auf niederländische Nachrichtensendungen für Kinder ab, einen eher normativen Kontext, in dem englische Wörter praktisch nicht vorkommen (Waters 2020). Zusammengenommen zeigen die Experimente genresensitive soziolinguistische Bewertungen, mit deutlichen Unterschieden zwischen der angegebenen persönlichen individuellen Präferenz und der angegebenen allgemeinen Angemessenheit der verwendeten Sprache.
Diese Ergebnisse werden im Zusammenhang mit der Rolle des Kontexts beim Erwerb des breiten indexikalischen Potenzials des Englischen im Niederländischen durch Kinder interpretiert, wobei die Ergebnisse mit der grundlegenderen Diskussion über den Zusammenhang zwischen der individuellen sprachlichen Erfahrung von Kindern und den gesellschaftlichen Werten und Normen, denen sie ausgesetzt sind, verknüpft werden. Abschließend reflektieren wir über die Vor- und Nachteile des Matched-Guise-Designs bei der Arbeit mit Kindern im Vorpubertätsalter aus verschiedenen Altersgruppen.