Wann & Wo
Wann: 2. April 2026, 14:15-16:00
Wo: F022, Unitobler
Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".
Abstract
Die slavischen Sprachen stellen in der Schweiz keine homogene Sprach- oder Migrationsgruppe dar. Sie verweisen auf unterschiedliche historische Verflechtungen, politische Kontexte und Migrationsbewegungen sowie auf deutlich variierende Sprecher*innenzahlen. Während Polnisch und Tschechisch länger zurückreichende Beziehungen zur Schweiz aufweisen, haben Russisch und Ukrainisch insbesondere im Zuge aktueller geopolitischer Entwicklungen erhöhte Aufmerksamkeit und kriegs-bedingte Dynamiken erfahren. Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Serbisch (BKMS) wiederum nehmen eine besondere Stellung ein: Sie gehören zu den grössten Herkunftssprachengruppen des Landes und sind damit auch in der öffentlichen Wahrnehmung in spezifischer Weise präsent.
Der Vortrag nimmt diese unterschiedlichen Profile slavischer Sprachen zum Ausgangspunkt und gibt zunächst einen systematisierenden Überblick über ihre Verbreitung, ihre historischen Entwicklungslinien und ihre gegenwärtige soziolinguistische Situation in der Schweiz. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich Migration, institutioneller Einbindung und gesellschaftlicher Wahrnehmung herausgearbeitet.
Der Hauptteil widmet sich den BKMS-Sprachen. Trotz ihrer gemeinsamen sprachlichen Grundlage werden diese Varietäten gesellschaftlich und politisch als eigenständige (National-)Sprachen konstruiert und wahrgenommen. Untersucht wird, wie BKMS in der Schweiz gebraucht, intergenerationell weitergegeben und institutionell gefördert werden. Zunächst wird die komplexe sprachliche und gesellschaftspolitische Situation der BKMS-Sprecher*innen skizziert und durch aktuelle demografische und statistische Daten ergänzt. Daran anschliessend werden bestehende Förder- und Bildungsangebote, insbesondere im Bereich des herkunftssprachlichen Unterrichts, vorgestellt.
Der empirische Teil präsentiert Ergebnisse einer soziolinguistischen Befragung unter knapp 100 BKMS-Sprecher*innen in der Schweiz. Im Zentrum stehen Sprachgebrauch, Spracheinstellungen, Erwerbsbiografien sowie der Wunsch nach Weitergabe der Herkunftssprache im Generationenvergleich. Zudem wird analysiert, welche Bedeutung dem herkunftssprachlichen Unterricht zugeschrieben wird.
Abschliessend werden die Ergebnisse im Hinblick auf die Besonderheiten des Schweizer Kontextes diskutiert und Perspektiven für weiterführende Studien aufgezeigt.